Drei Situationen, drei Einstellungen, null Fummelei im entscheidenden Moment. Mit den OM-1 Benutzermodi C1–C3 habe ich meine häufigsten Fotoszenarien auf Knopfdruck parat.
C1 und C2 habe ich dabei auf die beiden Fn-Tasten vorne an der Kamera gelegt – direkt neben dem Objektiv. Ein Knopfdruck: Der Modus ist aktiv, und ich muss die Kamera keine Sekunde vom Auge nehmen. Genau das ist der entscheidende Punkt: Wenn ein Eisvogel vom Ast startet oder ein Greifvogel plötzlich aus der Deckung bricht, zählt jede Zehntelsekunde. Wer dann erst im Menü sucht, hat das Bild bereits verpasst. Solltest du noch nicht wissen, wie man bei der OM-1 die Benutzermodi einstellt, kannst du das in meinem Artikel “Benutzermodus richtig konfigurieren” nachlesen.

C3 für Panoramen liegt bewusst nicht auf einer Fn-Taste. Für eine Panoramaaufnahme nehme ich mir Zeit, baue das Stativ auf, plane den Schwenk. Da brauche ich keinen schnellen Zugriff, sondern es zählt Ruhe, nicht Reaktion. Deshalb kann ich auch das Moduswahlrad zum Einstellen von C3 verwenden.
Was ist ProCapture überhaupt?
Bevor ich meine konkreten Einstellungen erkläre, kurz zum Prinzip: ProCapture ist eine der smartesten Funktionen, die OM System je gebaut hat. Sobald du den Auslöser halb durchdrückst, beginnt die Kamera im Hintergrund Bilder in einem Ringpuffer zu speichern – noch bevor du wirklich auslöst. Drückst du dann durch, sichert die Kamera diese Voraufnahmen zusammen mit den Frames danach.
Das klingt simpel, verändert aber alles. Bei der Wildlife-Fotografie ist das entscheidende Bild oft das, das eine Zehntelsekunde vor dem bewussten Auslösen entsteht. ProCapture macht genau diesen Moment greifbar.

Die Nachteile kennt man schnell: Die Dateimengen sind enorm. Bei 100 fps landen schnell mehrere hundert Bilder in einem einzigen Burst auf der Karte – die Nachbearbeitung und das Aussortieren kostet Zeit. Dazu braucht man eine schnelle UHS-II-Karte, sonst bremst der Puffer aus. Mir ist es schon einige Male passiert, dass die Karte durch Pro Capture schnell voll wurde. Willst du die Bilder, die nicht zu gebrauchen sind, schnell unterwegs löschen? Mein Artikel “Schnellauswahl von Bildern” hilft dabei, diese schnell und einfach zu löschen.
C1 – ProCapture SH1 für den Startschuss
Wenn ein Vogel von einem Ast abheben will, habe ich oft keine halbe Sekunde Reaktionszeit. Das ist der Moment, für den OM-1 Benutzermodus C1 gebaut ist, er hilft die Reaktionszeit zu kompensieren und ermöglicht dadurch Bilder die ansonsten nur schwer möglich wären.
Einstellungen:
- Modus: S, 1/2000 s Belichtungszeit
- ISO Auto
- ProCapture SH1: 100 fps, 25 Pre-shutter-Frames
- Autofokus: AFS + Bird Detection (Fokus wird beim Halbdrücken einmalig gesetzt)

Mit 100 Bildern pro Sekunde und 25 Frames, die bereits vor dem Auslösen im Puffer liegen, erwische ich den Abflug fast garantiert – selbst wenn ich zu spät reagiere. Die Bird Detection der OM-1 arbeitet dabei zuverlässig: Sobald ich halb drücke, schnappt sich der AF den Vogel und stellt scharf. Du wunderst dich bestimmt über die Belichtungszeit, aber wenn Vögel losfliegen, ist die Bewegung an den Flügelenden relativ hoch und um diese einzufrieren brauchst du eine kurze Belichtungszeit.
Wo es besonders gut funktioniert: Eisvögel auf dem Ansitz, Bussarde, die vom Zaunpfahl starten, Reiher, die sich auf einen Fisch im Wasser stürzen. Situationen, in denen ich weiß, dass gleich etwas passiert, ich aber nicht weiß, wann genau.
Die Einschränkung: ProCapture SH1 unterstützt keinen kontinuierlichen Autofokus. Das bedeutet: Sobald ich den Auslöser halb durchdrücke, wird der Fokus fixiert – er verändert sich danach nicht mehr. Fliegt der Vogel also direkt auf mich zu oder entfernt sich schnell, verlässt er den Schärfebereich und bleibt unscharf. Das ist keine Frage der AF-Geschwindigkeit, sondern eine technische Einschränkung des Modus. In solchen Situationen wechsle ich auf C2, der mit kontinuierlichem AF arbeitet.
C2 – ProCapture SH für unvorhersehbare Momente
Nicht jede Begegnung ist planbar. Wenn ich durch ein Feuchtgebiet streife und nicht weiß, was als nächstes aus dem Schilf bricht, ist C2 mein Standard.
Einstellungen:
- Modus: S, 1/2000 s Belichtungszeit
- ISO AUTO
- ProCapture SH: 25 fps, 15 Pre-shutter-Frames
- Autofokus: AFC + Bird Detection

25 fps statt 100 – das klingt erstmal nach Verzicht, ist aber ein bewusster Kompromiss. Und C2 hat gegenüber C1 einen entscheidenden Vorteil: ProCapture SH unterstützt kontinuierlichen Autofokus. Der Fokus bleibt also während des gesamten Bursts am Vogel dran – auch wenn er sich auf mich zu oder von mir wegbewegt. Was C1 an Bildrate gewinnt, gewinnt C2 an Flexibilität.
Die Dateimengen bleiben dabei deutlich handhabbar: Statt 500 Bilder pro Burst sind es eher 80–100 – ein großer Unterschied am Abend am Rechner.
Wann ich C1 nehme, wann C2:
Wenn ich den Moment kenne und auf ihn warte – und der Vogel sich dabei nicht auf mich zubewegt – nehme ich C1. Wenn ich reagiere statt antizipiere, oder die Flugrichtung unvorhersehbar ist, nehme ich C2. In der Praxis liege ich mit C2 häufiger richtig, weil Wildlife sich selten an meine Erwartungen hält. Tiere sind einfach unberechenbar
C3 – Alles auf Manuell für Panoramen und HDR
Panoramafotografie ist für mich das andere Extrem zur Wildlife-Action. Kein Zeitdruck, aber maximale Kontrolle. Genau das bildet C3 ab.
Einstellungen:
- Belichtung, Weißabgleich und Fokus: alles manuell
- ISO fixiert auf 200
- Belichtungsreihe: 5 Aufnahmen, je 1 EV Abstand

Bei Panoramen ist Konsistenz alles. Schon ein leicht schwankender Weißabgleich oder eine automatisch korrigierte Belichtung zwischen zwei Aufnahmen kann die Stitching-Software in die Knie zwingen – man sieht dann Helligkeitsstreifen oder Farbverschiebungen an den Übergängen, die sich kaum wegrechnen lassen. Mit allem auf Manuell bleiben alle Einzelbilder identisch belichtet, der Weißabgleich springt nicht, und der Fokus bleibt konstant auf der gewählten Ebene.
Die Belichtungsreihe mit 5 Stufen à 1 EV ergibt gleichzeitig das Rohmaterial für ein HDR. Panorama und HDR in einem Schwung – gerade bei Sonnenuntergangslandschaften mit hohem Kontrastumfang ist das für mich die effizienteste Methode.
Fazit
Was mich am meisten an diesem Setup überzeugt: Es zwingt mich, vor dem Fotografieren zu denken. Welches Tier, welche Situation, welches Licht? Die Antwort bestimmt den Modus. Das ist letztlich nichts anderes als das, was gute Fotografie schon immer ausgemacht hat, mit einem Unterschied: Die Technik heute mitdenkt. Wollt ihr genau meine Einstellungen übernehmen, dann ladet euch meine Set-up Datei herunter. Diese könnt ihr auf eine OM-1 oder OM-1 Mark II mit Hilfe von OM Workspace oder OI.Share hochladen.
Bevor ihr diese hochladet, denkt bitte daran eure Einstellungen zuerst zu speichern. Dann könnt ihr auch ohne Weiteres wieder zurück auf die Einstellungen die ihr vorher hattet.
Welche Benutzermodi nutzt du? Schreib es in die Kommentare. Ich bin gespannt, ob ihr ähnliche Ansätze habt.