Elektronischer Sucher vs. Monitor – was nehme ich wann
Elektronischer Sucher vs. Monitor – was nehme ich wann

Elektronischer Sucher vs. Monitor – was nehme ich wann

Als die digitalen Kameras noch einen Spiegel und einen optischen Sucher besaßen, fotografierten die meisten Fotografen mit dem Sucher und verwendeten den Monitor im Nachgang, um die Bilder zu betrachten. Damals war es klar: Der Sucher ist für das Fotografieren und der Monitor ist dafür da, um die Bilder zu betrachten und gegebenenfalls die Einstellungen zu ändern. Mit der Einführung spiegelloser Systemkameras hat sich das geändert. Beide, Sucher und Monitor, verwenden dieselbe Technologie und die Monitore sind in der Zwischenzeit ausklappbar. Viele Fotografen fotografieren nur noch mit dem Monitor und bei einigen Kameras ist der Sucher total weggefallen. Wieso gibt es den elektronischen Sucher (EVF) überhaupt noch und wieso macht es Sinn diesen einzusetzen.

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Was ist ein EVF überhaupt?

EVF steht für Electronic Viewfinder – also elektrischer Sucher. Wie oben beschrieben, wurde dieser eingeführt, als bei den Systemkameras der Spiegel weggelassen wurde, um das System kleiner zu gestalten. Im Gegensatz zum optischen Sucher einer digitalen Spiegelreflexkamera zeigt er kein direktes Bild durch das Objektiv, sondern ein digitales Vorschaubild, das von der Kamera berechnet wird. Bei der Einführung spiegelloser Systemkameras war das noch ein Nachteil. Vor allem, weil es eine deutlich spürbare Verzögerung im elektronischen Sucher gab und somit der Fotograf im Sucher das Ereignis verzögert wahrgenommen hat. Heutzutage ist die Verzögerung vernachlässigbar und die Sucherauflösung ist so hoch, dass die Sucher inzwischen wie ein optischer Sucher wirken.

Die OM-1 und die OM-1 Mark II haben zum Beispiel einen EVF mit 5,76 Millionen Bildpunkten und eine Vergrößerung von 0.83x. Dies macht den Sucher groß und detailreich.

Was kann der EVF besser als der Monitor

Fotografieren im hellem Sonnenlicht

Wenn du im gleisenden Sonnenlicht fotografieren willst, ist die Sicht auf dem Monitor oft eingeschränkt. Du kannst versuchen den Monitor abzuschatten. Entweder mit der Hand oder mit eigens dafür vorgesehenen Zubehörteilen. Das hilft aber nicht wirklich und lenkt oft von der Fotografie ab. Wenn du durch den Sucher blickst, wird dagegen das Umgebungslicht komplett abgeschirmt. Ihr schaut in das Okular und alles andere wird ausgeblendet. Keine Sonnenstrahlen, die das Sucherbild zu dunkel erscheinen lassen.

Stabilere Kamerahaltung

Schon der optische Sucher einer Spiegelreflexkamera hatte den Vorteil, dass die Kamera stabiler gehalten werden konnte, weil sie sich vor dem Auge befunden hat. Das ändert sich mit dem elektronischen Sucher natürlich auch nicht. Dadurch, dass das Auge neben den beiden Händen einen dritten Auflagepunkt bietet, ist die Gefahr, Bilder zu verwackeln, wesentlich geringer. Das wird besonders dann wichtig, wenn du mit einer langen Brennweite arbeitest. Wenn du den Monitor verwendest, kämpfst du fortwährend gegen Verwickelungen. Auch bei der OM-1 und der OM-1 Mark II die bekanntlich einen hervorragenden Bildstabilisator besitzen.

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Echtzeitvorschau im Sucher

Gegenüber einem optischen Sucher hat der elektronische Sucher einen unschätzbaren Vorteil. Er kann, wie der Monitor, anzeigen, wie das Bild nach dem Auslösen aussehen wird. Du kannst also direkt beurteilen, ob ein Bild über- oder unterbelichtet ist und entsprechend eingreifen. Auch ist eine Anzeige von weiteren Bildinformationen möglich. So kannst du zur besseren Orientierung, wie deine Belichtung ist, ein Histogramm einblenden. Bei der OM-1 und der OM-1 Mark zwei ist es allerdings relativ klein, so ist es im Sucher besser abzulesen.

Wann ist der Monitor die bessere Wahl

Natürlich hat auch der Monitor seine Berechtigung. Die Einsatzmöglichkeiten sind auch, weil dieser schwenkbar ist, besonders dann gegeben, wenn es schwierig wird, durch den Sucher zu schauen. Dazu zählen Bodenperspektiven und Überkopfaufnahmen. Beim Ersteren müsstest du dich auf den Boden legen, um durch den Sucher schauen zu können. Manchmal ist das gar nicht möglich und dir würden bessere Perspektiven durch die Lappen gehen. Bei Überkopfaufnahmen bräuchtest du oft eine Leiter, um diese mit dem Sucher realisieren zu können. Spontan kann so etwas nicht realisiert werden.

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Ein junger Haubentaucher auf dem Rücken seiner Mutter

Nicht zuletzt bei Videoaufnahmen ist der Monitor die bessere Wahl. Hier ist das Gegenteil zur stabilen Haltung vor dem Auge wichtig. Im Besonderen wenn du dich bewegst. Durch die flexible Haltung beim Aufarmlängen-Sehen sehen Videoaufnahmen natürlicher aus.

In meinem Artikel “Tipps die Akkulaufzeit zu verlängern” erörtere ich auch, weshalb der Monitor weniger Strom verbraucht und er deshalb hilfreich ist, wenn ihr die Akkulaufzeit verlängern wollt.

Meine Empfehlung

Ich arbeite im Feld fast ausschließlich mit dem EVF – ob in der Wildnis, bei schlechtem Wetter oder in praller Sonne. Der Augensensor der OM-1 funktioniert dabei so gut, dass der Wechsel zwischen EVF und Monitor im Alltag gar kein Thema mehr ist: Die Kamera entscheidet das automatisch richtig.
Den Monitor nutze ich hauptsächlich für die Bildkontrolle nach der Aufnahme und für Bodenperspektiven. Wenn ich weiß, dass ich tief in die Knie gehen muss, deaktiviere ich den Augensensor kurz oder wechsle manuell auf Monitor-Modus – das geht sehr einfach, indem du die Monitortaste lange drückst. Du findest diesen Kurzbefehl wie auch weitere in meinem Artikel “Die vier wichtigsten OM-1-Kurzbefehle“.
Wer noch nie bewusst mit dem EVF gearbeitet hat: Probiert es einfach mal aus. Gerade bei hellem Licht und mit langer Brennweite werdet ihr schnell merken, warum so viele erfahrene Wildlife-Fotografen den Sucher dem Monitor vorziehen.

Nutzt ihr hauptsächlich den EVF oder den Monitor? Habt ihr eigene Tipps, wann ihr wechselt? Schreibt es gerne in die Kommentare – ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

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