Der Darß ist im Sommer eine beliebte Urlaubsregion für Familien. Im Jahr 2008 wurde von Zingst das Umweltfotofestival “Horizonte Zingst” ins Leben gerufen, das über das ganze Jahr hinweg mit tollen Ausstellungen und Workshops Fotografen in den Nordwesten Deutschlands lockt. Höhepunkt des Jahres ist dabei Ende Mai, Anfang Juni das Festival selbst, das Tausende Touristen nach Zingst einlädt, die Fotografie zu zelebrieren. Ich selbst war einige Male im Frühjahr vor Ort und habe immer die Atmosphäre genossen. Dieses Jahr wollte ich aber Zingst im Herbst erleben und hatte mir für ein langes Wochenende ein Zimmer gebucht, um zum einen die Kranichrast und zum anderen die Hirschbrunft zu fotografieren. Ich hatte hervorragendes Wetter und auch die Natur spielte mit – ein perfektes Wochenende, um Kraniche und Hirsche auf dem Darß zu fotografieren. Ich bin mit einer Menge an tollen Bildern nach Hause gekommen.

Kraniche
Seit 1978 besteht für die “Boddengewässer Ostufer Zingst, Westküste Rügen – Hiddensee“ der Status als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung gemäß Ramsar-Konvention von 1971. Also seit ca. 50 Jahren ist der Bereich auf dem Darß östlich von Zingst geschützt. Seit 1990 ist dieses Gebiet auch Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Der Grund hierfür ist, dass dieses Gebiet eine große Rolle für den Kranichzug von den nördlichen Brutgebieten in die südlichen Wintergebiete spielt. Hier machen die Kraniche Rast, um Kraft für die Weiterreise zu sammeln. Deshalb haben wir auch eine besondere Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Tiere nicht gestört werden. Trotzdem gibt es auch für interessierte Menschen und Fotografen die Möglichkeit; dabei sind allerdings viele Beobachtungsstellen auf eine begrenzte Menschenzahl beschränkt.
Ich hatte leider spät und spontan gebucht und konnte mir keine Zugangserlaubnis für den Pramort sichern. Deshalb habe ich als Alternative eine Kranichfahrt mit dem Schiff gebucht. Hier kommt man von der Seeseite in relativer Nähe an den Pramort und kann die Vögel beim Anflug gut beobachten. Wenn ihr generell in die Vogelfotografie einsteigen wollt, findet ihr in meinem Artikel Mit Vogelfotografie anfangen praktische Tipps für den Einstieg – und wer lieber Greifvögel vor der Linse hat, dem empfehle ich meinen Bericht Seeadler fotografieren.

Hirsche
Theoretisch kann man am Pramort auch Hirsche beobachten, aber wie gesagt, konnte ich mir leider keinen Zugang sichern. Als Alternative könnt ihr euch aber auch an den Darßer Ort im Nordwesten von Darß bei Prerow begeben. Dort sind mehrere Beobachtungsplattformen so positioniert, dass ihr die Tiere gut beobachten könnt, ohne diese allzu sehr zu stören. Dennoch solltet ihr euch an diesen Orten auch immer leise verhalten. Ich habe mit dem Auto am Parkplatz Bernstein Ost geparkt und bin dann zu Fuß zur Plattform am ehemaligen Nothafen gelaufen. Das sind gute 3.5 km. Alternativ könnt ihr euch aber auch ein Fahrrad leihen. Das geht in einem der vielen Fahrradverleihe oder über MV-Rad, die direkt am Parkplatz Bernstein Ost eine Verleihstation haben. Am besten findet ihr euch auf der Plattform 2-3 Stunden vor Sonnenuntergang ein. Die Platform ist sehr gut besucht, aber es gibt genügend Platz für jeden.

Angekommen an der Plattform haben wir auch sofort die Hirsche röhren gehört. Nicht einen, sondern mehrere. Gesehen haben wir zunächst aber keinen. Wie das so mit der Natur ist, braucht man Geduld und wird dann aber auch meistens belohnt. Zunächst haben wir einen jüngeren Hirsch im Schilf laufen sehen und dann auch den Platzhirsch direkt vor uns in der freien Landschaft. Es ist schon ein tolles Gefühl, die Natur zu beobachten und zu sehen, wie sich die Tiere wohlfühlen, wenn wir Menschen ihnen nur genug Platz geben.
Beste Reisezeit für Kraniche und Hirsche
Wer beide Naturschauspiele auf einer Reise erleben möchte, sollte den Zeitraum genau planen. Die Hirschbrunft beginnt meist Anfang September und hat ihren Höhepunkt Mitte bis Ende September, klingt dann bis in den Oktober hinein aus. Der Kranichzug setzt zeitversetzt ein: Ab Mitte September sammeln sich die ersten Tiere auf dem Darß, der Höhepunkt der Kranichrast liegt meist zwischen Anfang Oktober und Anfang November – je nach Wetterlage kann sich das auch verschieben. Wer also wie ich Ende September anreist, hat gute Chancen, beide Ereignisse gleichzeitig zu erwischen. Für Fotografen ist das Zeitfenster um Sonnenaufgang und Sonnenuntergang besonders lohnenswert, weil die Kraniche dann ein- beziehungsweise ausfliegen und die Hirsche in der Dämmerung aktiver sind. Ein weiterer Tipp: Bucht möglichst unter der Woche, denn an den Wochenenden sind sowohl die Beobachtungsplattformen als auch die Kranichfahrten deutlich stärker frequentiert.
Fazit
Will man in Deutschland Natur erleben, ist der Darß sicherlich eine gute Option. Wie oben beschrieben liegt das beste Zeitfenster meist zwischen Ende September und Anfang Oktober, wenn ihr sowohl Kraniche als auch Hirsche in ihrem natürlichen Verhalten gut beobachten könnt. Hat man dazu noch das passende Fotoequipment – ich hatte natürlich mein M.Zuiko 150-400mm F4.5 dabei – kann man auch wunderschöne Bilder machen, ohne die Tiere zu stören. Welche Plätze kennt ihr, an denen es Spaß macht, wilde Tiere zu beobachten? Lasst es mich in den Kommentaren wissen, ich freue mich auf einen Austausch!