Fotografieren aus dem Safarifahrzeug: Warum ich ohne Bohnensack auskomme und immer das Tele auf der Kamera habe
Fotografieren aus dem Safarifahrzeug: Warum ich ohne Bohnensack auskomme und immer das Tele auf der Kamera habe

Fotografieren aus dem Safarifahrzeug: Warum ich ohne Bohnensack auskomme und immer das Tele auf der Kamera habe

Auf meiner ersten Safari 2017 habe ich Momente verpasst, die nicht wiederkommen. Einer davon passierte im Hwange-Nationalpark in Simbabwe: Ich wollte einen Braunkopfliest (Brown-hooded Kingfisher) beim Start fotografieren. Dafür hätte ich ProCapture gebraucht, aber ich hatte es nicht auf einer Taste. Ich musste erst das Moduswahlrad drehen, das kostete Zeit, und bis die Kamera bereit war, war der Vogel weg.
Seitdem bereite ich mich anders vor. In diesem Artikel zeige ich dir, wie ich aus dem Safarifahrzeug fotografiere: aus der Hand statt mit Bohnensack, mit einer festen Regel für die Brennweite und mit den wichtigsten Funktionen auf einer Taste statt im Menü.

Die Ausgangslage: offene Safarifahrzeuge

Ich habe bisher ausschließlich aus offenen Safarifahrzeugen fotografiert, und alles in diesem Artikel bezieht sich darauf. Bei Fahrzeugen mit Dach oder Scheiben kann manches anders aussehen. Dazu kann ich nichts aus eigener Erfahrung sagen.
Die Guides schalten den Motor normalerweise ab, sobald du bei einem Tier stehst. Sie wollen die Tiere so wenig wie möglich stören. Für uns Fotografen hat das einen netten Nebeneffekt: Der Wagen steht ruhig. Wenn der Wagen sich bewegt, ist es um ein Vielfaches schwerer, den Ausschnitt zu wählen und die Kamera ruhig zu halten. Sollte dein Guide sich anders verhalten, sprich ihn darauf an. Er wird deine Wünsche sicherlich umsetzen. Schließlich will er dir ja ein schönes Erlebnis bieten.

Freihand statt Bohnensack

In vielen Safari-Ratgebern steht der Bohnensack ganz oben auf der Packliste. Du legst ihn auf die Fahrzeugkante, das Teleobjektiv ruht darauf, und die Kamera steht ruhiger als in der Hand.Ich habe so etwas noch nie benutzt und es auch nie vermisst. Einen Vergleich kann ich dir also nicht liefern, nur meine Erfahrung: Die OM-System-Ausrüstung ist klein und leicht, und die Bildstabilisierung arbeitet hervorragend. Ich fotografiere im Sitzen aus der Hand und lasse den Bildstabilisator im Standard-IS-Modus laufen. Das reicht mir.

Zwei Fotografen im offenen Safarifahrzeug mit großen, schweren Teleobjektiven, eines davon mit Tarnüberzug
Bei Kamerasystemen die größer und schwerer sind, werden gerne Bohnensäcke verwendet.

Meine Kamerahaltung ist dieselbe wie bei jeder anderen Fotografie: so stabil wie möglich. Die Stabilisierung hilft dabei, ersetzt aber keine saubere Haltung. Die Stabilisierung gleicht deine Bewegung aus, nicht die des Tieres. Läuft ein Tier oder schlägt ein Vogel mit den Flügeln, entscheidet die Verschlusszeit über die Schärfe. Wie die Stabilisierung im Detail funktioniert und was Sync IS beim 150-400 mm bringt, habe ich in meinem Artikel Bildstabilisierung verstehen: Was IBIS und Sync IS wirklich bringen erklärt.

Wer mit einem schwereren System unterwegs ist, kommt vielleicht zu einem anderen Ergebnis.

Drei Brennweiten, eine Regel

Auf Safari habe ich immer drei Objektive dabei:

  • M.Zuiko Digital 150-400 mm F4.5 PRO für die langen Distanzen
  • M.Zuiko Digital 40-150 mm F2.8 PRO für die mittleren Distanzen
  • M.Zuiko Digital 8-25 mm F4.0 PRO für Landschaftsaufnahmen

Meistens habe ich zwei Kameras dabei: Auf der einen sitzt das 40-150 mm, auf der anderen das 150-400 mm, und das 8-25 mm kommt bei Bedarf dazu. Auf meiner letzten Reise war es nur eine Kamera. Der Flug nach Mana Pools in Simbabwe ging in einem kleinen Propellerflugzeug, und dort war das Gepäck auf 20 kg begrenzt. Also reisten nur die OM-1 und die drei Objektive mit, zusammen etwa 4 kg.

Lächelnder Mann steht mit einer langen Stake in einem flachen Boot im überschwemmten Gras und winkt, Botswana


Mit nur einer Kamera gilt für mich eine feste Regel: Auf der Kamera sitzt immer die lange Brennweite. Der Grund ist einfach. Bilder mit langer Brennweite entstehen spontan. Ein Tier taucht auf, ein Vogel startet, ein Moment dauert eine Sekunde. Bilder mit kurzer Brennweite haben meistens mehr Zeit. Die Landschaft oder die Stimmung im Camp laufen nicht davon, während du das Objektiv wechselst. Ich wechsle also nur, wenn Zeit dafür ist.

Warum nicht das 50-200 mm?

Vermutlich fragst du dich, warum bei mir das 40-150 mm im Rucksack steckt und nicht das 50-200 mm F2.8. Ich hatte das 50-200 mm auf einer Safari in Simbabwe als Leihgabe von OM Digital Solutions dabei. Bildqualität und Autofokus haben mich überzeugt. Dazu überlappt der Brennweitenbereich mit dem 150-400 mm, ich musste also seltener wechseln. Mit nur einer Kamera ist das ein echter Vorteil. Weil ich das 40-150 mm F2.8 schon besitze, sind mir die Vorteile aber nicht groß genug für einen Umstieg. Alle Details findest du in meinem Erfahrungsbericht zum 50-200 mm auf Safari.

Benutzermodi und ProCapture auf die Fn-Tasten legen

Zurück zum Braunkopfliest vom Anfang. ProCapture ist die Funktion, die mir das Bild gerettet hätte: Die Kamera nimmt schon auf, sobald du den Auslöser halb durchdrückst, und speichert beim vollständigen Durchdrücken auch Bilder, die kurz davor entstanden sind. So fängst du Momente ein, die zu schnell sind, um sie mit dem Finger zu treffen. Auf meinen ersten Reisen hatte ich ProCapture nicht auf eine Funktionstaste gelegt, und das Moduswahlrad ist im entscheidenden Moment zu langsam. Seitdem gilt für mich: Alles, was ich in einer Situation schnell brauche, gehört auf eine Taste, die ich einfach nur drücken muss und nicht ins Menü. So brauche ich das Auge nicht vom Sucher zu nehmen und vermisse auch keinen wichtigen Moment.

Vier Zebras stehen im hohen, goldgelben Gras und schauen aufmerksam in die Kamera, Botswana

Deshalb habe ich die beiden Fn-Tasten vorne neben dem Objektiv mit meinen Benutzermodi belegt. Ein Tastendruck, und die Kamera ist für die Situation eingestellt, ohne dass ich das Auge vom Sucher nehmen muss. Auf Safari nutze ich dieselben Modi, C1 und C2, die ich auch sonst für ProCapture verwende. Welche Einstellungen dahinterstecken, habe ich in meinem Artikel OM-1 Benutzermodi: Mein Setup für ProCapture und Panorama beschrieben.

Safari-Einstellungen in OI.Share sichern

Vielleicht unterscheiden sich die Einstellungen, die du auf Safari brauchst, von denen, die du sonst verwendest, etwa bei den Benutzermodi oder beim Autofokus. Dann musst du nicht vor jeder Reise alles von Hand umstellen und danach wieder zurück. Die Handy-App OI.Share und Workspace können mehrere Kameraeinstellungen speichern, und du überträgst sie bei Bedarf wieder auf die Kamera. So hast du dein Safari-Setup mit wenigen Handgriffen parat. Wie das Speichern, Teilen und Importieren Schritt für Schritt funktioniert, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben: OI.Share Kameraeinstellungen umziehen leicht gemacht.

Mein Tipp: Sichere vor der Reise auch dein normales Setup, dann kommst du danach genauso schnell wieder zurück.

Meine Checkliste vor der Ausfahrt

  1. Das 150-400 mm sitzt auf der Kamera und ist sauber.
  2. Die anderen Objektive liegen so bereit, dass ich schnell an sie herankomme.
  3. Der Bildstabilisator läuft im Standard-IS-Modus.
  4. Mein Safari-Setup ist aus OI.Share auf die Kamera geladen (falls es von meinem normalen abweicht).
  5. Bei der ersten Ausfahrt teste ich meine Benutzermodi auf den Fn-Tasten mit ProCapture. Danach ändere ich daran nichts mehr.
Junger Löwe im trockenen Gras legt eine Pfote auf einen Baumstamm und blickt direkt in die Kamera, Botswana

Fazit

Auf Safari fotografiere ich aus der Hand, und einen Bohnensack habe ich bisher nie vermisst. Mir kommt es darauf an, dass die Kamera im entscheidenden Moment bereit ist. Mit nur einer Kamera sitzt immer das lange Tele drauf, denn die spontanen Bilder entstehen mit der langen Brennweite. Meine Benutzermodi liegen auf den Fn-Tasten statt im Menü. Und weichen deine Safari-Einstellungen von den normalen ab, speicherst du sie in OI.Share und lädst sie bei Bedarf auf die Kamera.

Wie fotografierst du aus dem Safarifahrzeug: mit Auflage oder aus der Hand? Und bei welcher Brennweite hast du die meisten Bilder verpasst? Schreib es gern in die Kommentare.

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