Mit Vogelfotografie anfangen – Der Einstieg direkt vor der Haustür
Mit Vogelfotografie anfangen – Der Einstieg direkt vor der Haustür

Mit Vogelfotografie anfangen – Der Einstieg direkt vor der Haustür

Es ist nun ca. fünf Jahre her, dass die Corona-Pandemie ausgebrochen ist. Da zu dieser Zeit nicht viel anderes möglich war, habe ich viele Spaziergänge im Park um die Ecke gemacht – immer dabei meine Kamera und ein Teleobjektiv. Es war die Zeit, in der ich mit der Vogelfotografie begonnen habe. Im Rückblick war das kein schlechter Einstieg, im Gegenteil: Wenn ich heute Einsteiger frage, wo sie anfangen sollen, sage ich immer dasselbe – geht in den nächsten Park. Warum das so ist und wie ihr den Einstieg für euch nutzt, will ich hier zeigen.

Kurze Wege

Ein entscheidender Vorteil, wenn ihr direkt im Park nebenan fotografiert: Die Wege sind kurz. Habt ihr eine halbe Stunde Zeit? Schnappt ihr euch die Kamera und zieht los. Die Hürde, überhaupt loszugehen, ist minimal. Das hat noch einen zweiten Effekt: Bei jedem Spaziergang oder Joggen könnt ihr nebenbei die Augen offenhalten, ob ein Vogel im Frühjahr gerade beim Nestbau ist. Habt ihr einmal ein Nest gefunden, ist es ein Leichtes, dorthin zurückzukehren und den Vogel in aller Ruhe zu fotografieren, an einem Ort, den ihr in fünf Minuten erreicht, nicht in fünf Stunden.

Vogelfotografieren

Geringe Kosten

Die kurzen Wege bedeuten natürlich auch geringe Kosten. Eine Reise in ein fernes Land ist immer mit hohem finanziellen Aufwand verbunden – und ihr habt keine Garantie, auch wirklich mit guten Bildern zurückzukommen. Ihr findet dort vielleicht außergewöhnliche Vögel vor die Linse, habt aber noch keine Übung. Die Wahrscheinlichkeit, dabei wirklich gute Aufnahmen zu machen, ist gering. Mir ging es zu Beginn oft so, dass ich zu sehr mit der Technik beschäftigt war, während der Vogel längst weitergeflogen war. Genau diese Lernkurve könnt ihr im Park kostenlos und beliebig oft wiederholen, bis Belichtung, Autofokus und Bildaufbau sitzen – bevor ihr das erste Mal richtig Geld für eine Fotoreise ausgebt.

Vogelfotografie lernen
 

Geringere Scheu

Vögel in der Stadt sind wesentlich mehr an Menschen gewöhnt als in freier Natur. Ihr könnt euch ihnen also deutlich weiter nähern. Das hat zwei Vorteile: Entweder bekommt ihr die Vögel formatfüllender ins Bild, oder eine kürzere Brennweite reicht bereits aus – auch hier spart ihr also Geld. Oft genügen 150 mm im MFT-Format (bzw. 300 mm Kleinbild-Äquivalent), um brauchbare Bilder zu bekommen; ihr braucht also nicht sofort ein 400-mm-Supertele. Die geringere Scheu hat noch einen weiteren Vorteil: Die Vögel bleiben länger sitzen, und ihr habt mehr Zeit, Technik und Bildausschnitt in Ruhe zu wählen, statt in Sekundenbruchteilen reagieren zu müssen.

Die richtige Kameraeinstellung für den Einstieg

Damit die zusätzliche Zeit, die euch die geringere Fluchtdistanz verschafft, auch wirklich in scharfe Bilder mündet, lohnt sich ein Blick auf die Kameraeinstellungen. Wer mit einer OM System Kamera unterwegs ist, sollte auf jeden Fall die Bird/Animal Detection AF aktivieren – die Kamera erkennt Vogelaugen zuverlässig und hält sie auch bei Bewegung im Fokus, was gerade Einsteigern viel Frust erspart. Dazu empfehle ich:

  • C-AF (kontinuierlicher Autofokus) statt Einzelautofokus, da sich Vögel selten wirklich still verhalten
  • Serienbildmodus (mittlere oder hohe Geschwindigkeit reicht am Anfang völlig), um den einen Moment mit offenen Augen und guter Kopfhaltung zu erwischen
  • Verlusszeit Priorität damit ihr Bewegungsunschärfe vermeidet solltest ihr mit einer Belichtungszeit die kürzer als 1/1000s ist fotografieren, Bei Vögel im Flug besser 1/2000s. Die kurze Belichtungszeit sorgt auch dafür, dass ihr mit offener Blende fotografiert und der Vogel schön freigestellt wird.

Wer sich fragt, welches Objektiv sich für den Einstieg überhaupt lohnt, findet in meinem Artikel zu den besten OM System Objektiven für Wildlife eine ausführliche Übersicht

Schilfrohr Sänger an auf einem Schilfrohr sitzend
Schilfrohrsänger fliegen

Die beste Zeit und der beste Ort

Auch im Stadtpark gilt: Licht entscheidet über das Bild. Die ein bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang liefern das weichste Licht und sind zugleich die Zeiten, in denen Vögel am aktivsten sind – ideal also für einen kurzen Spaziergang vor der Arbeit oder am frühen Abend. Besonders ergiebig sind Stellen am Wasser (Enten, Blässhühner, Haubentaucher lassen sich dort oft aus nächster Nähe beobachten) sowie Fütterungsstellen im Winter, wenn Nahrung knapp ist und Vögel entsprechend zutraulicher werden. Auch der Jahreszeitenwechsel lohnt einen zweiten Blick: Im Frühjahr dreht sich vieles um Balz und Nestbau, im Sommer um die Fütterung der Jungvögel, im Winter um Futterplätze – jede Phase liefert andere Motive.

Geduld statt Jagd

Der größte Denkfehler vieler Einsteiger: Sie pirschen sich an, als würden sie einen Vogel „jagen”. Das Gegenteil funktioniert besser. Sucht euch eine Stelle mit gutem Licht und wartet, statt hinterherzulaufen – die Vögel kommen meistens von selbst näher, wenn ihr euch ruhig verhaltet und keine hektischen Bewegungen macht. Auch ein leiser Verschlussmodus (elektronischer Verschluss) hilft, Vögel nicht durch das Klickgeräusch zu verschrecken. Wer etwas Zeit mitbringt, merkt schnell: Die besten Bilder entstehen fast immer in der zweiten oder dritten Viertelstunde am selben Fleck, nicht in der ersten.

Fazit

Der Park in der Stadt ist eine gute Möglichkeit, mit der Vogelfotografie zu beginnen. Kurze Wege und kaum Kosten ermöglichen es, viel zu üben und auszuprobieren, während die geringere Scheu der Vögel euch die Zeit gibt, Technik und Bildaufbau in Ruhe zu lernen. Kombiniert mit den richtigen Kameraeinstellungen und etwas Geduld statt Hektik ist das die ideale Übungsumgebung, bevor es in anspruchsvolleres Terrain geht.

Sobald ihr etwas Übung habt, lohnt sich der nächste Schritt: Ich empfehle einen Ausflug zur Mecklenburgischen Seenplatte für die Seeadler-Fotografie – einer der eindrucksvollsten Einstiege in die Wildvogelfotografie in Deutschland.

Habt ihr euren eigenen “Übungspark” gefunden, in dem ihr angefangen habt? Schreibt es gerne in die Kommentare!

One comment

  1. Pingback: Seeadler fotografieren – Tipps & die beste Location in Deutschland

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