Die Makrofotografie ist ein spezielles Feld der Fotografie mit eigenen Anforderungen, die in der normalen Fotografie nicht so auftreten. Wenn du damit anfängst, wirst du schnell feststellen, dass es im Gegensatz zur “normalen” Fotografie sehr einfach ist, einen unscharfen Hintergrund zu erzielen. Neben Blende und Brennweite ist nämlich der Abstand zum Objekt maßgeblich, ob der Hintergrund unscharf wird oder nicht. Obwohl Micro Four Thirds hier gegenüber Kleinbildkameras einen Vorteil hat, kommst du damit auch schnell an die Grenzen. Das heißt, der Schärfenbereich wird schnell zu klein.

Nicht alle Objektive von Olympus/OM Digital Solutions eignen sich gleichermaßen für Makro. Welches der drei Makroobjektive für dich am besten passt, findest du in meinem OM-System Makroobjektivvergleich.
Ich teste im Moment das M.Zuiko Digital 90mm F3.5 Makro (den Test werde ich später veröffentlichen), und bei dieser langen Brennweite kommt man sehr schnell an die Grenze der Schärfentiefe.
In diesem Artikel geht es um die Grundlagen dahinter: warum Schärfentiefe bei Makro dein größtes Problem ist, warum die naheliegende Lösung, Abblenden, nicht wirklich hilft, und was stattdessen funktioniert. Wie du Fokus-Stacking und Fokus-Bracketing an deiner Kamera konkret einstellst, inklusive Menüführung, habe ich bereits ausführlich in Fokus Stacking und Fokus Bracketing beschrieben.
Die Grundlagen
Schärfentiefe in der Makrofotografie
In der Makrofotografie bist du in aller Regel sehr nahe an den Motiven. Da die Schärfentiefe unter anderem vom Motivabstand abhängt, ist diese unabhängig vom Sensorformat sehr gering. Das hat zur Folge, dass du, im Gegensatz zur normalen Fotografie, mit zu wenig Schärfentiefe umgehen musst. Micro Four Thirds hat da zwar gewisse Vorteile gegenüber dem Kleinbildformat, dennoch wirst du um Methoden, die die Schärfentiefe erhöhen, nicht herumkommen.
Freihand oder Stativ?
Die Schärfentiefe hat auch Einfluss darauf, ob du ein Makro freihändig oder mit dem Stativ aufnehmen kannst. Meistens ist es so, dass geringste Bewegungen den Schärfepunkt bereits so verschieben, dass nicht mehr der gewünschte Bereich scharf ist. Deshalb wirst du am erfolgreichsten sein, wenn du ein Stativ verwendest, speziell dann, wenn du mit großen Abbildungsmaßstäben arbeitest.
Was ist mit Licht?
Wie in der Fotografie üblich, spielt das Licht eine große Rolle dafür, ob ein Bild gut wird oder nicht. Bei der Makrofotografie ist es häufig notwendig, ein separates Licht zu verwenden. Das liegt daran, dass durch den großen Abbildungsmaßstab mehr Licht vom Objektiv geschluckt wird. Außerdem arbeitest du in der Makrofotografie häufig mit geschlossener Blende, um die Schärfentiefe zu erhöhen. Als Lichtquelle hilft nicht nur ein Blitzdiffusor, sondern auch unabhängige LED-Lichtquellen.


Warum nicht einfach abblenden?
Wie oben beschrieben, kann die geringe Schärfentiefe in der Makrofotografie durch Abblenden teilweise kompensiert werden. Das hat allerdings einige Folgen, die durch Fokus-Stacking oder Fokus-Bracketing vermieden werden können. Das Abblenden beeinflusst nicht nur die Schärfentiefe direkt am Motiv, sondern verändert auch den Hintergrund. Sprich, das Hauptmerkmal von beeindruckenden Makros geht verloren. Außerdem verlierst du so ab ca. Blende 5,6–8 durch Beugung Auflösung. Soll heißen, dein Bild sieht nicht so scharf aus, wie du es von deiner Kamera normalerweise gewohnt bist. Aber das Abblenden hat noch einen weiteren Nachteil: Es kommt weniger Licht beim Sensor an. So musst du entweder mit höheren Empfindlichkeiten oder einer separaten Lichtquelle arbeiten.


Hast du ein statisches Motiv, können dir hier Fokus-Stacking oder Fokus-Bracketing weiterhelfen. Manchmal funktionieren beide Funktionen auch bei bewegten Motiven, das ist aber eher die Ausnahme.
Fokus-Stacking und Fokus-Bracketing im Überblick
Fokus-Stacking und Fokus-Bracketing lösen genau das: mehr Schärfentiefe, ohne die Nachteile des Abblendens. Beide basieren auf demselben Grundprinzip, nur der Ort, an dem die Bilder am Ende zusammengerechnet werden, unterscheidet sich.
Beim Fokus-Stacking macht die Kamera automatisch eine Serie von Aufnahmen und verschiebt den Fokuspunkt von Bild zu Bild ein Stück weiter. Direkt im Anschluss rechnet sie die Serie selbst zu einem einzigen JPEG mit durchgängiger Schärfe zusammen. Du hast also sofort ein fertiges Ergebnis, ohne selbst etwas am Rechner tun zu müssen.
Beim Fokus-Bracketing läuft die Aufnahme genauso ab, die Kamera liefert dir aber nur die einzelnen Bilder der Serie, wahlweise auch als RAW. Das Zusammenrechnen zu einem Bild mit durchgängiger Schärfe übernimmst du selbst am Rechner, zum Beispiel mit Helicon Focus, OM Workspace oder Photoshop. Der Mehraufwand lohnt sich dann, wenn du die volle Kontrolle über das Ergebnis behalten willst oder mit den RAW-Daten weiterarbeiten möchtest.


Wie du beide Funktionen an deiner Kamera konkret einstellst, welche Werte für Anzahl der Aufnahmen und Fokusunterschied sinnvoll sind und was du beim Blitzeinsatz beachten musst, habe ich bereits ausführlich in Fokus Stacking und Fokus Bracketing beschrieben. Hier soll nur das Grundprinzip sitzen.
Stacking oder Bracketing – was wann?
In der Praxis hängt die Entscheidung, ob du Fokus Stacking oder Fokus Bracketing verwendest, stark von deinen Erwartungen ab. Willst du schnell und unkompliziert zu einem Ergebnis kommen, das du vielleicht auch schon unterwegs in den sozialen Medien teilen willst, ist Fokus Stacking der richtige Ansatz. Es ist allerdings auf 15 Bilder beschränkt und somit auch beim Erweitern der Schärfentiefe etwas eingeschränkt. Außerdem kannst du es nur mit Objektiven, die mit Fokus Stacking kompatibel sind, einsetzen.
Brauchst du mehr Bilder, oder willst du ein nicht kompatibles Objektiv einsetzen, kommt Fokus Bracketing ins Spiel. Es ist wesentlich flexibler und du kannst bis zu 999 Bilder machen und auch Objektive einsetzen, die nicht mit Fokus Stacking einsetzbar sind. Nachteil: Du musst die Bilder zwingend nach der Aufnahme mit einer Software an deinem Rechner zusammensetzen. Du hast also bei der Aufnahme keine Kontrolle darüber, ob du im Nachgang die Bilder erfolgreich zusammensetzen kannst.

Nicht nur für Makro
Fokus-Stacking und Fokus-Bracketing sind keine reinen Makro-Werkzeuge. Für die Landschaftsfotografie habe ich das bereits in einem eigenen Artikel beschrieben: Fokus Stacking in der Landschaftsfotografie.
Die Technik lohnt sich generell überall dort, wo du mehr Schärfentiefe willst, ohne den unscharfen Hintergrund zu verlieren. Bei Produktfotos zum Beispiel, wenn das komplette Produkt scharf sein soll, der Hintergrund aber freigestellt wirken soll. Oder ein Portrait, bei dem eine Person vorne und ein Detail im Hintergrund gleichzeitig scharf bleiben sollen, ohne die ganze Szene plattzublenden.
Fazit
Bei Makro ist Schärfentiefe deine größte Herausforderung, und Abblenden allein löst sie nicht wirklich. Du verlierst dabei entweder den unscharfen Hintergrund, der ein Makro erst besonders macht, oder Auflösung durch Beugung, manchmal sogar beides gleichzeitig. Fokus-Stacking und Fokus-Bracketing lösen genau das, ohne den gestalterischen Vorteil der Unschärfe zu opfern. Und die Technik funktioniert übrigens genauso außerhalb von Makros.
Wie du beide Funktionen an deiner Kamera konkret einstellst, erfährst du in meinem Artikel Fokus Stacking und Fokus Bracketing.
Nutzt du schon Fokus-Stacking oder Fokus-Bracketing, oder blendest du bisher eher ab? Schreib’s mir in die Kommentare.