Langes Wochenende in Görlitz
Langes Wochenende in Görlitz

Langes Wochenende in Görlitz

Seit mehr als 12 Jahren treffe ich mich einmal im Jahr mit zwei Freunden aus dem Photoingeniurstudium irgendwo in Deutschland. Die einzige Richtlinie ist, dass es sich um eine kleine attraktive Stadt handeln muss, die wir drei noch nicht gesehen haben. Dieses Jahr hatten wir Görlitz ausgesucht. Die Stadt im äußersten Osten lag bisher nicht auf unserer Route, auch wenn wir nur Interessantes davon gehört hatten. An Pfingsten war es dann so weit. Wir hatten uns eine schöne Ferienwohnung in der Nähe des “Heiligen Grabs” gemietet und trafen uns am Freitagabend.

Anreise mit Umweg: die berühmte Rakotzbrücke

Zunächst hatte ich eine Anreise per Zug ins Auge gefasst, habe mich dann aber für das Auto entschieden, weil ich gesehen hatte, dass die Rakotzbrücke auf dem Weg lag. Alle, die gerne fotografieren, haben sicherlich schon einmal ein Bild davon gesehen und ich hatte diese Brücke schon lange auf meiner Liste. Sie liegt gut 1 Stunde nördlich von Görlitz und ist ein idealer Platz für eine kleine Pause. Insgesamt hat die Anreise von Hamburg, inklusive mehrerer Pausen, 7 Stunden gedauert.

Rakotzbrücke

Rakotzbrücke

Nachdem ich die Bilder der Rakotzbrücke gesehen habe, war ich ein wenig enttäuscht, als ich sie in der Realität gesehen habe. Zum einen ist sie nicht annähernd so spektakulär, wie sie auf den Bildern aussieht. Zum anderen war das Licht nicht so schön, weil es mitten am Tag war. Wie wir Fotografen wissen, ist das Licht ein wichtiger Faktor, ob ein Bild gut aussieht oder eben außerordentlich gut aussieht. Die Pause war dennoch ein Gewinn, denn die Brücke liegt in mitten von einem riesigen Park und da ich meinM.Zuiko Digital ED 150-400mm F4.5 PRO dabei hatte konnte ich die Gelegenheit nutzen ein paar schöne Bilder von Vögeln zu machen.

Kleiber in einer Eiche

Außerdem war es sehr entspannend, sich nach einer so langen Autofahrt in der Natur zu bewegen. Wer mich kennt, weiß, dass ich das gerne mache. Nach dem kurzen Zwischenstopp bin ich weiter nach Görlitz gefahren. Einer meiner Freunde war schon vor Ort. Der andere kam, wie es sich später ausstellte, erst in der Nacht. Sein Zug hatte eine Verspätung, weil ein vorausfahrender Zug eine Panne hatte. Irgendwie eine Bestätigung für meiner Entscheidung mit dem Auto zu fahren.

Tag 1 – Görlitz

Am ersten Tag hatten wir eine kleine Stadtführung gebucht. Machen wir beinahe immer, weil wir die Stadt, die wir besuchen, ja auch kennenlernen wollen. Bei Stadtführungen bekommt man häufig auch Hinweise darauf, was man sich sonst noch so anschauen kann. Die Innenstadt von Görlitz ist wunderschön. Es reiht sich ein altes, schön renoviertes Haus an das andere. Görlitz beginnt ab 1995, jedes Jahr von einem unbekannten Stifter Zuwendungen zu bekommen, die für die Unterstützung bei der Renovierung denkmalgeschützter Gebäude bestimmt waren. Details zur Geschichte findet ihr hier.

Görlitz Marktplatz Süd

Die Führung war außerordentlich informativ, auch weil die Stadtführerin es vermied, uns nur mit Jahreszahlen zu bombardieren. Stattdessen hat sie die Informationen in Geschichten gepackt, die man sich gut merken konnte. Beeindruckend waren auch die Hallenhäuser. In der allgemeinen Führung konnten wir uns diese leider nicht im Detail anschauen. Es gibt also für mich einen Grund, Görlitz noch einmal zu besuchen, denn für die Hallenhäuser gibt es eine gesonderte Führung. Genauso für Informationen über Görliwood. Görlitz ist nämlich ein beliebter Drehort und man kann eine Stadtführung buchen, die nur dies zum Thema hat.

Am Nachmittag hatten wir noch eine Führung bei der Landskron Brauerei gebucht. Sie liegt im Süden der Stadt und auf dem Weg dorthin konnten wir den Gründerzeitteil der Stadt bestaunen. Das umso mehr, weil der Bus nicht an der normalen Haltestelle hielt. Diese war wegen des Hauseinsturzes gesperrt. Wir hatten also einen längeren Fußweg zur Brauerei als geplant. Die Führung war sehr interessant. Nicht überraschend war die Brauerei auch schon Filmkulisse. Gegründet 1869, ist die Brauerei schon von außen eine Augenweide; im Inneren ist sie aber auf dem aktuellen Stand. Allerdings ist sie eine der wenigen Brauereien in Deutschland, die noch offene Gärwannen verwendet. Deshalb wird sie zu Recht Braumanufaktur genannt. Wenn du Interesse am Brauen hast, lohnt sich der Besuch auf jeden Fall.

Landskron Brauerei Görlitz

Wir haben auf jeden Fall die Gelegenheit wahrgenommen und Bier für unseren traditionellen Grillabend mitgenommen. Die beiden Führungen waren sehr informativ und kurzweilig, haben uns aber auch müde und hungrig gemacht. Perfekt also, den Abend zusammen beim Grillen zu verbringen und sich auszutauschen. Schließlich treffen wir uns nur einmal im Jahr persönlich und haben einander viel zu teilen.

Tag 2 – Kanutour auf der Neiße

Seitdem wir im Spreewald 2016 mit einem Kanu gekentert sind, ist auch eine Kanutour fester Bestandteil unserer Städtreisen. Dieses Jahr mit einem zusätzlichen Kick. Auf der Neiße gibt es nämlich die eine oder andere Stromschnelle, die wir überwinden mussten. Das ist auch der Grund, weshalb ich dort keine Bilder gemacht habe. Wir sind zwar auf Reisen nicht mehr gekentert, aber Stromschnellen hatten wir noch nie. Da war es mir zu riskant, meine gute OM-1 mitzunehmen. Die Kamera ist zwar spritzwassergeschützt, ich will aber nicht ausprobieren, wie viel Wasser sie verträgt. Im Rückblick war ich hier zu vorsichtig, denn die Stromschnellen waren dann doch harmloser als gedacht. Es hätte sich auch gelohnt, die Kamera mitzunehmen, weil die Neiße durch ein schönes Feuchtgebiet fließt und wir viele Vögel zu Gesicht bekommen haben. Einen Überblick, wie die Tour aussieht, findet ihr bei Neiße-Tours. Wir hatten die Tour von Deschka nach Rothenburg gebucht.

Bibliothek Görlitz

Tag 3 – gemeinsames Frühstück und Rückfahrt

Da wir doch eine relativ weite Fahrt nach Hause hatten, hatten wir am Pfingstmontag “nur” noch ein gemeinsames Frühstück und sind dann nach Hause gefahren. Beim Frühstück haben wir noch die Location für das nächste Jahr besprochen. Da mein Freund aus Pforzheim an der Reihe mit der Planung ist, stehen Koblenz, Worms oder Speyer in der näheren Auswahl. Wart ihr schon einmal in einer der Städte und könnt uns Tipps geben, freue ich mich um einen kleinen Kommentar.

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