Inoffizielle Firmware für OM System Kameras: Würdest du sie installieren?
Inoffizielle Firmware für OM System Kameras: Würdest du sie installieren?

Inoffizielle Firmware für OM System Kameras: Würdest du sie installieren?

Auf 43rumors habe ich von einem kleinen Programm gelesen, das deiner Kamera Dinge beibringen soll, die OM Digital Solutions nie vorgesehen hat. Der Blendenring an Panasonic-Objektiven funktioniert plötzlich. Für ProCapture SH2 gibt es zusätzliche Bildraten. Es heißt „db firmware“, kommt aus der Community und kostet nichts.

Würdest du dir das auf deine Kamera installieren?

Damit du weißt, was dich hier erwartet: Ich habe das Tool nicht installiert. Ich habe mir mit Hilfe von Claude angesehen, was es mit der Firmware macht. Einen Praxistest bekommst du hier also nicht, nur meine Einordnung. Eine Anleitung gibt es auch nicht, ich will einfach nicht verantwortlich sein, wenn du die Firmware installierst und dann die Kamera nicht mehr funktioniert.

Was ist Firmware, und was macht das Tool?

Firmware ist das Betriebssystem deiner Kamera. Autofokus, Menüs, Serienbildraten: All das läuft über sie. Wenn OM Digital Solutions ein Update veröffentlicht, spielst du es über OI.Share auf dem Smartphone oder über OM Workspace am Rechner ein. Beide Wege kommen vom Hersteller.

db firmware geht einen anderen Weg. Das Tool lädt die Original-Firmware herunter und kontrolliert, ob es wirklich die erwartete Datei ist. Dann ändert es sie an einigen Stellen und legt das Ergebnis auf eine SD-Karte. Den Rest erledigt die Kamera mit ihrem eigenen nicht offiziellen Update-Mechanismus. Unterstützt werden rund zwei Dutzend Modelle, von der Olympus E-PL5 aus dem Jahr 2012 bis zu den OM-3 und OM-5 Mark II. Das Tool gibt es für Windows und für Macs mit Apple Silicon. Den Quellcode hat der Entwickler nicht veröffentlicht.

Was das Tool verspricht

Blendenring für Panasonic-Objektive an OM System Kameras

Der Blendenring dürfte für die meisten der Grund sein, sich das Tool anzusehen. Einige Panasonic-Leica-Objektive haben einen Blendenring, etwa das Leica DG 10-25 mm f/1.7 oder das Nocticron 42,5 mm f/1.2. An einer OM System Kamera tut dieser Ring bisher nichts. Die Blende stellst du am Gehäuse ein. Das Tool soll den Ring im A- und M-Modus nutzbar machen, und zwar an fast allen unterstützten Modellen.

Expeditionsschiff M/S Stockholm vor Anker vor steilen, verschneiten Bergen

Weitere Funktionen

  • Zusätzliche Bildraten von 12,5 und 16,7 fps für SH2 und ProCapture SH2, nur an der OM-1
  • Ein eigener Auslöseton für den elektronischen Verschluss, erzeugt aus einer selbst gewählten Audiodatei
  • Kleinere Extras wie eine Auto-ISO-Grenze bis 25600 an der E-M1X, zusätzliche Tasten- und Belichtungsoptionen an der E-P7 und ein koreanisches Menü

Was du bekommst, hängt stark vom Modell ab. Die meisten Extras gibt es für die OM-1.

Was das Tool wirklich ändert

Das Wichtigste zuerst: Wenige geänderte Bytes heißen nicht wenig Risiko. Warum? Erkläre ich gleich.

Ich habe mir das Tool angeschaut, ohne es auszuführen. In seinen Daten steht für jedes Modell und jede Funktion genau, welche Bytes der Firmware ausgetauscht werden. Die Zahlen haben mich überrascht.

Die Firmware der OM-1 ist knapp 241 MB groß. Der Patch, also die Änderung für den Blendenring, betrifft davon rund 1,5 KB. Für die zusätzlichen SH2-Bildraten sind es 434 Byte. Stell dir die Firmware als Bücherregal mit gut 400 dicken Romanen vor. Der Blendenring-Patch tauscht darin weniger als eine Seite aus, der SH2-Patch ungefähr einen Absatz (Analyse von Version 0.3.1).

Bevor das Tool etwas ändert, prüft es die Original-Firmware über eine Prüfsumme. Eine falsche oder beschädigte Datei wird abgelehnt. Alles, was nicht gepatcht wird, bleibt genau so, wie OM Digital Solutions es ausgeliefert hat.

Beruhigt mich das? Nur zum Teil. Bei Programmcode sagt die Menge der Änderungen nichts über das Risiko aus. Um im Bild zu bleiben: Wenn die falsche Seite ausgetauscht wird, ergibt der ganze Roman keinen Sinn mehr. Bei einer Kamera reicht ein einziger falscher Befehl, und sie startet nicht mehr. Was die geänderten Bytes im Kameracode genau tun, lässt sich von außen nicht nachprüfen. Dafür müsste man den Maschinencode der Kamera zerlegen und verstehen. Du verlässt dich also darauf, dass der Entwickler weiß, was er tut. Das kann gut sein, nur prüfen kannst du es nicht.

Was dafür spricht und was dagegen

Das Tool scheint sorgfältiger gemacht zu sein, als ich erwartet hatte. Deshalb fange ich mit den Argumenten dafür an.

Dafür

  • Es schließt eine echte Lücke. Wer ein Panasonic-Objektiv mit Blendenring an einer OM System Kamera nutzt, hat bisher einen toten Ring am Objektiv.
  • Die Änderungen sind klein und für jede Funktion einzeln hinterlegt. Die Patch-Daten liegen lesbar im Tool.
  • Die Original-Firmware wird vor jeder Änderung geprüft.
  • Es gibt eine Funktion, um die unveränderte Original-Firmware wieder aufzuspielen. Ob das bei einer Kamera klappt, die nach einem Patch hängt, ist allerdings nicht belegt.
  • Der Entwickler führt den Blendenring für neun Kameras als getestet auf, darunter OM-1, OM-3 und OM-5. Die Angaben stammen von seinen eigenen Kameras und aus der Community.
Blick von oben auf das verschneite Vordeck der M/S Stockholm, davor ein ruhiger Fjord und verschneite Berge, Spitzbergen

Dagegen

  • OM Digital Solutions erlaubt keine Änderungen an der Firmware. Sie ist das geistige Eigentum des Herstellers. Geht nach einem Patch etwas kaputt, stehst du mit dem Problem allein da.
  • Das Tool ist eine sehr junge Beta. Die erste Version erschien am 17. Oktober 2026, bis Ende Oktober folgten acht weitere. Jede neue Version kann Funktionen und Teststand verändern.
  • Selbst testen kann der Entwickler wenig. Er besitzt nach eigener Aussage nur eine OM-1, eine OM-5 Mark II und eine PEN. Für alle anderen Modelle kann er nicht garantieren, dass die Patches funktionieren. Die OM-1 Mark II steht beim Blendenring gar nicht auf der Testliste.
  • Es gab schon Probleme. Die erste Version warnte selbst davor, den Blendenring zu nutzen, weil die Kamera in einer Boot-Schleife hängen bleiben konnte, also immer wieder neu startete. Bei der PEN-F trat genau das mit einer früheren Fassung des Patches auf. Der eigene Auslöseton soll an OM-5 und E-M1 Mark III beim Wechsel in die Serienbildstufe SH1 einen Neustart ausgelöst haben, in Version 0.3.1 war die Funktion dort pausiert.
  • Fällt beim Aufspielen der Strom aus, kann laut Tool die Hauptplatine unbrauchbar werden. Das gilt zwar auch für offizielle Updates, dort steht aber ein Hersteller dahinter.
  • Die Original-Firmware holt das Tool bei fast allen Modellen nicht beim Hersteller, sondern von einer kostenlosen Hosting-Seite (Analyse von Version 0.3.1). Die Prüfsumme fängt veränderte Dateien ab. Schön finde ich das trotzdem nicht.
  • Die Patches passen immer nur zu einer bestimmten Firmware-Version. Bringt OM Digital Solutions ein Update, wartest du, bis das Tool nachzieht, oder du verzichtest auf das Update.

Wenn du dir selbst ein Bild machen willst: Das Projekt mit allen Versionshinweisen findest du auf der Release-Seite bei GitHub. Lies dort bitte die Hinweise des Entwicklers vollständig, bevor du irgendetwas herunterlädst. Und wenn du es ausprobierst, dann nicht an deiner Hauptkamera.

Meine Antwort: Nein

Ich würde die Firmware nicht installieren. Am Tool selbst liegt das nicht, es macht auf mich einen ordentlichen Eindruck. Für mich stimmt aber das Verhältnis von Risiko und Nutzen nicht.

Meine Kamera muss unterwegs einfach funktionieren. Wenn ich auf Svalbard im Zodiac sitze oder in Simbabwe im Safarifahrzeug, gibt es keinen Kameraservice um die Ecke und meistens auch keinen zweiten Versuch. Eine Kamera, die nach einem Update in einer Boot-Schleife hängt, ist dort ein Totalausfall. Und weil OM Digital Solutions solche Änderungen nicht erlaubt, will ich bei einem Defekt nicht darüber nachdenken müssen, ob mir die veränderte Firmware bei der Reparatur auf die Füße fällt.

Schlauchboot mit Passagieren vor einer Gletscherfront, Spitzbergen

Panasonic-Objektive nutze ich nicht. Der Blendenring bringt mir also nichts. Meine Meinung würde sich vielleicht ändern, wenn die Firmware etwas mitbringen würde, das mir wirklich hilft, zum Beispiel eine bessere Bildqualität.

Dazu kommt das Tempo. Ein Tool, das zwei Wochen alt ist und in dieser Zeit neun Versionen bekommen hat, ist für mich noch mitten in der Entwicklung. In einem Jahr sehe ich das vielleicht anders.

Das Risiko ist auch der Grund, warum es hier keine Anleitung gibt. Wenn jemand nach diesem Artikel die Firmware aufspielt und die Kamera danach nicht mehr startet, soll das nicht an meiner Schritt-für-Schritt-Liste gelegen haben.

Liegt bei dir ein altes Zweitgehäuse im Schrank, dessen Verlust dich nicht schmerzt, kannst du das anders sehen. Das ist dann deine Entscheidung.

Fazit

Für den Blendenring ändert db firmware nur wenige Bytes, und das sehr gezielt. Was diese Bytes in der Kamera bewirken, kannst du trotzdem nicht nachprüfen. Dazu kommt, dass das Tool eine junge Beta ist und der Entwickler selbst nur drei Kameras zum Testen hat. Weil OM Digital Solutions keine Änderungen an der Firmware erlaubt, trägst du das Risiko allein. Mir ist das für den geringen Nutzen zu viel.

Und du? Würdest du die Firmware installieren? Welche Funktion würde dich am meisten reizen: der Blendenring, die zusätzlichen SH2-Bildraten oder der eigene Auslöseton? Schreib es mir in die Kommentare.

Stand: db Firmware 0.3.2 Beta vom 31. Oktober 2026. Das Tool bekommt gerade mehrere neue Versionen pro Woche, einzelne Angaben können also schnell veraltet sein.

Leave a Reply