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Bildstabilisierung verstehen: Was IBIS und Sync IS wirklich bringen
Bildstabilisierung verstehen: Was IBIS und Sync IS wirklich bringen

Bildstabilisierung verstehen: Was IBIS und Sync IS wirklich bringen

Im Juni, auf dem Fotogipfel in Oberstdorf, habe ich etwas beobachtet, das mich seitdem beschäftigt. Beim Tauschrausch haben mehrere Teilnehmer ihr M.Zuiko 100-400 mm der ersten Generation gegen die zweite Generation getauscht. Der Grund, den ich gehört habe: Sync IS. Die zweite Generation koppelt die Objektivstabilisierung mit der im Gehäuse; die erste kann das nicht. Ich stand daneben und dachte: Lohnt sich das überhaupt? Gerade bei langen Brennweiten in der Wildlife-Fotografie arbeiten wir doch sowieso mit kurzen Belichtungszeiten. Was soll die Stabilisierung da noch retten?
Ganz so einfach ist es dann doch nicht, das habe ich beim Blick auf meine eigenen Bilder gemerkt. Aber der Reihe nach. Erst einmal klären wir, was in der Kamera überhaupt passiert.

Was ist IBIS? Der schwebende Sensor

IBIS steht für In-Body Image Stabilization, also Bildstabilisierung im Kameragehäuse. Statt eine bewegliche Linsengruppe im Objektiv zu verschieben, bewegt die Kamera den Bildsensor selbst.

Explosionsansicht Bildstabilisierung Olympus

Dafür ist der Sensor nicht fest verschraubt, sondern schwebt auf einer elektromagnetischen Aufhängung. Gyrosensoren messen jede Bewegung der Kamera, ein Steuersystem berechnet tausende Male pro Sekunde die passende Gegenbewegung und schiebt den Sensor nach. Zittert deine Hand nach rechts, wandert der Sensor mit, und das Motiv bleibt an derselben Stelle.

Moderne Systeme arbeiten auf fünf Achsen. Sie gleichen Nicken und Gieren aus (Kippbewegungen nach oben und unten, links und rechts), dazu die Rotation um die optische Achse und Verschiebungen in der Höhe und zur Seite. Olympus hat diese 5-Achsen-Stabilisierung 2012 mit der OM-D E-M5 im spiegellosen Segment etabliert, und bis heute gehört OM System hier zu den führenden Herstellern.

Weil die Korrektur am Sensor stattfindet, profitiert jedes Objektiv davon. Auch unstabilisierte Festbrennweiten oder alte manuelle Objektive, bei denen du nur die Brennweite im Menü hinterlegst.

Was bedeuten die CIPA-Stufen?

Hersteller geben die Wirkung der Stabilisierung in Blendenstufen nach dem CIPA-Standard an, einem einheitlichen Messverfahren. Ohne Stabilisierung gilt die Faustregel: Belichtungszeit ungefähr Kehrwert der Brennweite, bezogen auf Kleinbild. Bei 600mm Kleinbild also etwa 1/600s. Jede Stufe Stabilisierung verdoppelt die Zeit, die du aus der Hand halten kannst.

Die OM-1 Mark II ist mit 8,5 Stufen angegeben. Rechne das mal durch: Aus 1/600s werden theoretisch mehrere Sekunden aus der freien Hand. Im Feld erreichst du solche Laborwerte selten, Atmung und Untergrund spielen mit hinein, und ein Tier, das sich bewegt, interessiert sich nicht für deine Stabilisierung. Trotzdem steckt in der Zahl eine Besonderheit von Micro Four Thirds: Der kleinere, leichtere Sensor lässt sich schneller und präziser bewegen als ein großer Kleinbild-Sensor. Die OM-1 Mark II liegt mit 8,5 Stufen gleichauf mit den Flaggschiffen von Canon und Sony.

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Sync IS: Wenn Objektiv und Gehäuse zusammenarbeiten

Einige Objektive bringen zusätzlich eine eigene optische Stabilisierung mit. Bei Sync IS koppelt die Kamera beide Systeme: Das Objektiv übernimmt vor allem die Kippbewegungen, bei denen es bauartbedingt im Vorteil ist, der Sensor kümmert sich um Rotation und Verschiebung.

Genau da liegt der Unterschied zwischen den beiden Generationen des 100-400mm. Die erste hat zwar eine eigene Objektivstabilisierung, die arbeitet aber unabhängig vom Gehäuse. Die zweite unterstützt Sync IS. Vollen Sync-IS-Support bieten sonst nur das 12-100mm F4 PRO, das 300mm F4 PRO und das 150-400mm F4.5 PRO.

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Ein Blick auf die Zahlen lohnt sich: Bei der ursprünglichen OM-1 brachte Sync IS noch einen Sprung von 7,0 auf 8,0 Stufen. Bei der OM-1 Mark II gibt OM System 8,5 Stufen an, mit und ohne Sync IS. Das reine IBIS ist inzwischen so gut, dass die Kombination auf dem Datenblatt nichts mehr draufsetzt.

Lohnt sich der Tausch für Wildlife-Fotografen?

Zurück zum Fotogipfel. Wenn ich Vögel im Flug fotografiere, liege ich bei 1/1600s oder kürzer. Bei solchen Zeiten verwackelt nichts mehr, und Bewegungsunschärfe im Motiv kann keine Stabilisierung der Welt verhindern. Rein für die Schärfe bringt Sync IS in diesen Situationen also wenig. Wer nur deswegen tauscht, zahlt viel Geld für eine Zahl auf dem Datenblatt.

So weit meine Skepsis in Oberstdorf. Dann fiel mir Svalbard wieder ein.

Das ruhige Sucherbild: Der unterschätzte Vorteil

Auf Svalbard saß ich immer wieder im Zodiac, dem kleinen Schlauchboot, mit dem man nah an Gletscherkanten und Tiere herankommt. Ein Zodiac liegt nie still. Es schaukelt, dreht sich, hebt und senkt sich mit jeder Welle. Bei 400mm springt das Motiv ohne Stabilisierung wild im Sucher herum, an saubere Bildgestaltung ist nicht zu denken.

 Fotografen auf einem Zodiac
Fotografen auf einem Zodiac

Mit aktiver Stabilisierung beruhigt sich das Sucherbild spürbar. Ich konnte den Ausschnitt bewusst wählen, den Horizont halten und den Auslösemoment abpassen, obwohl sich das Boot unter mir ständig bewegte. Die Belichtungszeit war kurz genug, um die Aufnahme selbst musste ich mir keine Sorgen machen. Ohne das ruhige Sucherbild wären viele Kompositionen aber Glückssache gewesen.

Das hat meine Sicht verändert: Die Stabilisierung hilft dir beim Sehen und Gestalten, lange bevor es um die Belichtung geht. Und je wirksamer das System, desto ruhiger das Bild im Sucher.

Wann die Stufen wirklich zählen

Ihre Stufen ausspielen kann die Stabilisierung, sobald das Licht knapp wird oder du bewusst lange belichtest. Dämmerung ohne Stativ. Landschaften auf Wanderungen, bei denen das Stativ zuhause bleibt. Video aus der Hand. Dazu kommen Funktionen, die es ohne IBIS gar nicht gäbe, etwa der Handheld High Res Shot, bei dem die Kamera den Sensor gezielt verschiebt und mehrere Aufnahmen zu einem hochaufgelösten Bild verrechnet.

Meine Empfehlung

Wenn du überlegst, nur wegen Sync IS von der ersten auf die zweite Generation des 100-400mm zu wechseln, und du hauptsächlich Wildlife mit kurzen Belichtungszeiten fotografierst: Lass es. Die erste Generation ist optisch weiterhin ein sehr gutes Objektiv, und für scharfe Actionaufnahmen entscheidet die Belichtungszeit, nicht die Stabilisierung.

Polarfox

Anders sieht es aus, wenn du oft aus bewegten Positionen fotografierst, vom Boot oder aus dem Safarifahrzeug, oder bei wenig Licht ohne Stativ arbeitest. Dann merkst du jede zusätzliche Stufe, vor allem am ruhigen Sucherbild. Ob dir das den Aufpreis wert ist, musst du selbst entscheiden. Jetzt weißt du zumindest, worauf du achten solltest.

Fazit

IBIS stabilisiert jedes Objektiv, Sync IS koppelt bei ausgewählten Objektiven zusätzlich die optische Stabilisierung dazu. Bei kurzen Belichtungszeiten in der Wildlife-Fotografie gewinnt die Aufnahme selbst dadurch wenig. Das ruhige Sucherbild bei langen Brennweiten und die Reserven bei wenig Licht sind trotzdem handfeste Vorteile im Alltag. Nur: Ein Datenblattwert allein ist kein Grund, ein Objektiv zu tauschen.

Wie sind eure Erfahrungen? Fotografiert ihr mit dem 100-400mm, und habt ihr den Unterschied zwischen den Generationen selbst erlebt? Schreibt es mir in die Kommentare!

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