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Kann die Fotoindustrie nachhaltig sein?

Waldbild

In Foren und auf manchen Webseiten wird über die Nachhaltigkeit der Fotoindustrie diskutiert. Dabei geht es meistens darum ob und wie nachhaltig der Herstellungsprozess ist. Aber ist das wirklich so einfach. Hängt die Nachhaltigkeit einer Branche alleine vom Herstellungsprozeß ab? Wie sieht es mit uns Konsumenten aus? Wie können wir die Nachhaltigkeit beeinflussen und welche Auswirkungen hat das auf die Geschäftsmodelle der einzelnen Firmen? Meine Gedanken zu diesem Thema teile ich hier und lade euch ein mit mir zu diskutieren.

Bild eines Silberreihers zum illustrieren des Artikels über die Nachhaltigkeit der Fotoindustrie

Was verstehen wir unter Nachhaltigkeit einer Firma

Nachhaltigkeit ist seit einiger Zeit ein Modewort geworden. Kaum eine Firma die nicht mit diesem Begriff wirbt und sich rühmt nachhaltig zu produzieren, oder zumindest auf dem Weg dorthin zu sein. Dies ist immer dann der Fall, wenn eine Firma entweder recycelte Materialien verwendet und / oder Klima neutral produziert. In beiden Fällen ist die Gefahr des sogenannten Greenwashing sehr hoch. Recycelten Materialen sind nicht unbedingt umwelchtschonender als neue Stoffe. Zum Beispiel dann wenn die recycelten Materialen um die halbe Welt reisen. Auch Klima neutral zu produzieren, heißt nicht unbedingt, dass der Herstellungsprozess besonders wenig Energie benötigt. Viele Firmen werden Klima neutral in dem sie sich entweder CO2 Zertifikate kaufen oder eben zum Ausgleich ihres Energieverbrauchs Ausgleichsaktionen, wie Bäume pflanzen, haben. Für mich ist aber ein Firma erst dann nachhaltig, wenn sie alles Prozesse soweit optimiert hat, dass sie so wenig Resourcen wie nur irgendwie möglich verbraucht. Außerdem ist es wichtig, den Produktlebenszyklus so lange wie möglich zu halten. Die Fotoindustrie könnte so zum Beispiel die Funktionen von Kameras die bereits auf dem Markt sind durch Firmware updates nachrüsten.

Wie steht es um die Nachhaltigkeit in der Fotoindustrie?

Ich habe mir mal die Webseiten der einzelnen Hersteller angeschaut und tatsächlich hat jeder Hersteller einen Nachhaltigkeitsreport. Fast alle. OM Digitalsolutions und Leica sind hier eine Ausnahme. Ein Nachhaltigkeitsreport bedeutet aber nicht automatisch, dass die Firma entsprechend nachhaltig ist, sondern vielmehr ist es eine Nachricht an die Kunden wie weit der Weg zur Nachhaltigkeit schon bestritten ist. Viele der Firmen planen irgendwann in Zukunft nachhaltig zu produzieren. Das heist aber auch, zu diesem Zeitpunkt ist es eine Art Versprechen und die Zukunft wird zeigen, ob die einzelnen Firmen wirklich in der Lage sind ihre Ziele auch zu erreichen.
Die gute Nachricht ist bei beinahe allen Firmen ist bereits angekommen, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema ist. Auch deshalb weil die Kunden immer mehr darauf achten und es in Zukunft sicherlich schwieriger werden wird Produkte zu verkaufen, die nicht nachhaltig produziert sind. Wie immer im Geschäftsleben bewegt sich etwas wenn die Profite und Geschäftsmodelle in Gefahr sind.

Nachhaltigkeitsreport der Fotoindustrie

Ist das Geschäftsmodell der Fotoindustrie nachhaltig?

Die eine Seite der Medaille ist die Produktion, die sicherlich irgendwann bezüglich der verbrauchten Energie keine Ressourcen der Erde mehr verschwenden wird, weil erneuerbare Energien eingesetzt werden. Die andere Seite ist das Geschäftsmodell auf dem eine Firma aufbaut um Geld zu verdienen.
Sieht man sich das Geschäftsmodell der Kameraindustrie an, beruht es darauf neue Entwicklungen mit immer neuen Funktionen auf den Markt zu bringen. Dies soll die Kunden animieren ihren Geldbeutel zu öffnen und neue Kameras zu kaufen. Die alten bleiben, dann im Schrank liegen oder kommen bestenfalls auf den Recyclinghof. Neue Funktionen werden nur selten bei Kameras im Markt nachgerüstet. Wenn dies gemacht wird, dann bei den teuren Flagshipmodellen. Willst du als Anwender eine neue Funktion verwenden musst du also gezwungener Maßen neue Hardware kaufen. Meiner Meinung nach ein Geschäftsmodell, das nicht nachhaltig sein kann.

Was können wir als Anwender tun

Vielleicht ahnt ihr es ja schon. Wir als Anwender sind, wenn wir zusammen agieren, sehr mächtig. Die Industrie braucht uns zum Überleben, denn wenn wir keine Kameras kaufen, dann können sie auch kein Geld verdienen. Deshalb ist unser Verhalten sicherlich maßgeblich an der Art und Weise wir die Hersteller agieren beteiligt. Wir sind es die die neuen Kameras, mit den neuen allzu schönen Funktionen kaufen. Deshalb sind es auch wir, die etwas ändern müssen. Zu nächst Einmal müssen wir und davon frei machen zu denken, dass eine neue Kamera mit Funktion x y bessere Bilder macht als unsere vorhandene. Selbst wenn die Bildqualität besser wird, werden eure Bilder nicht besser. Ein gutes Bild wird nämlich nicht durch Technologie definiert. Es muss gut gestaltet sein und denjenigen der es betrachtet auch emotional mitnehmen. Nur dann bewegen die Bilder etwas. Hier besser zu werden geht nur über das Üben und ausprobieren. Es hilft auch andere Bilder zu betrachten und sich zu fragen, weshalb es gut ankommt. Lernt daraus und macht selbst besser Bilder.

Eine neue Kamera braucht ihr nur dann wenn die jetzige nicht mehr funktioniert. Lasst euch weder von der Industrie noch von Freunden oder anderen Fotografen einreden, dass ihr früher eine neue Kamera braucht. Inzwischen sind die technologischen Sprünge in der digitalen Fotografie nicht mehr so groß.

Fazit

Wir brauchen uns keiner Illusion hingeben. Es ist noch ein langer Weg bis die Fotoindustrie nachhaltig sein wird. Selbst wenn die Herstellung der Produkte irgendwann mal keine Ressourcen mehr verbrauchen wird, das Geschäftsmodell selbst ist nicht nachhaltig und muss angepasst werden. Das ist ein langer Prozess, der noch nicht einmal in den Köpfen der Managern, geschweige denn begonnen ist. Wir sind Teil dieses Prozesses und müssen unser Konsumverhalten entsprechend anpassen. Nicht mehr Technik verliebt, jedes neue Produkt direkt nach der Vorstellung kaufen, sondern nur dann wenn es wirklich von Nöten ist. Nur dann merkt auch die Industrie, dass es Zeit wird sich anzupassen.

Wie ist eure Meinung

Ich bin gespannt was ihr über das Thema denkt. Hinter lasst mir einen Kommentar wie ihr zu diesem Thema steht. Ich freue mich auf eine lebhafte und freundliche Diskussion.

Vielleicht interessiert euch ja auch mein Artikel “Ist die Zukunft der Photoindustrie düster” oder vielleicht ist auch de Artikel “Firmware Updates in Zukunft kostenlos” in dem ich darüber schreibe weshalb ich der Meinung bin, dass Firmware Updates in Zukunft nicht mehr kostenlos sein werden.

Was können wir von der Fotoindustrie in 2023 erwarten?

Bild von den Landungsbrücken.

Viele freuen sich bereits, dass 2022 die Verkaufszahlen (siehe Grafik) der Fotoindustrie gegenüber 2021 gestiegen sind. Dabei feiern sie bereits die Kehrtwende vom schrumpfenden Kameramarkt hin zu einem wachsenden. Beim Jahresvergleich werden aber zwei Faktoren übersehen. Zum Einen war 2021 ein Pandemiejahr, zum Anderen waren dadurch die Lieferketten unterbrochen und es konnten dadurch weniger Kameras gebaut bzw. ausgeliefert werden. Ob 2023 ein gutes Jahr für die Fotoindustrie wird oder nicht hängt von einigen Faktoren ab. Einige sind von der Fotoindustrie beeinflußbar andere nicht.

CIPA Verkaufszahlen der Jahre 2020, 2021 und 2022
CIPA Verkaufszahlen der Jahre 2020, 2021 und 2022

Wirtschaftliche Weltlage

Nachdem die Pandemie in 2021 und 2022 zu Lieferengpässen geführt hat, scheint es im Jahr 2023 die Lage deutlich zu entspannen. So haben bereits einige Halbleiterhersteller volle Lager gemeldet und die Preise der Halbleiter werden wieder günstiger. Dies führt zu einer besseren Verfügbarkeit von Kameras und Objektiven. Damit dies aber auch zu besseren Verkaufszahlen, und noch viel wichtiger zu gesunden Margen, führen kann müssen aber noch mehr Faktoren erfüllt werden. Ein Faktor der negativ zu Buche schlägt ist sicherlich die wirtschaftliche Gesamtsituation. Ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine und die dadurch entstandene Energieknappheit ist 2022 die Inflation stark gestiegen. Dadurch wird die Lebenshaltung aller Käufer teurer. Wenn das Geld knapp wird überlegen sich die Menschen genau was sie dafür anschaffen werden. Einfach gesagt, etwas zu Essen zu haben ist wichtiger als sich eine neue Kamera zu kaufen. Des Weiteren sagen die Wirtschaftweißen eine Rezession voraus, d.h. viele müssen auch noch um ihre Arbeit fürchten. Dies führt zu Unsicherheit und die Menschen sparen sich eher das Geld, als dass sie es ausgeben. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen sehen also nicht sehr rosig aus. Deshalb muss sich die Kameraindustrie einiges ausdenken um erfolgreich zu werden.

Standardansicht in Hamburg. Zur Illustration des Artikels Was können wir von der Fotoindustrie in 2023 erwarten

Produktvorstellungen der Fotoindustrie in 2023

Spannend wird es um die Produktvorstellungen der Fotoindustrie in 2023. Schon in den letzten Jahren, fehlten die richtigen Innovationen. In den meisten Fällen handelt es sich um Produktneuvorstellungen, die eine Weiterentwicklung bereits vorhandener Kameras waren. Ich bin mal gespannt ob die Kamerahersteller dieses Jahr mal wirkliche Innovationen auf den Markt bringen können. Wie wäre es mal mit neuen Modellen Geld zu verdienen. Statt immer wieder neue Kameramodelle auf den Markt zu werfen, deren Fortschritt nur marginal sind, könnte die Industrie auf die Idee kommen Funktionen nachzurüsten und damit Geld zu verdienen. Vielleicht wäre es auch eine Idee bestimmte Funktionen im Abo anzubieten und die Grundkamera sehr günstig auf den Markt zu bringen. Innovationen müssen nicht immer auf neuen Funktionen beruhen. Ich bin allerdings nicht besonders guten Mutes. Wenn ich die Ankündigung der Panasonic S5 Mark II sehe und die Gerüchte richtig sein sollten kann man auch für den Rest des Jahres nicht viel erwarten. Die Kamerahersteller scheinen auf den alten ausgetretenen Pfaden zu bleiben und kein Risiko einzugehen.
Auch auf an der Objektiv Front ist nicht viel zu erwarten. Hierzu ist die zu Grunde liegende Technologie einfach zu ausgereift und die Innovationsschritte sind einfach klein. OM Digitalsolutions hat letztes Jahr ein 90mm F3.5 Macro angekündigt, welches sicherlich optisch sehr gut sein wird, aber wird es auch Innovationen beinhalten? Wird es die Stärken des Micro Four Thirds Standard ausspielen? So wäre es toll wenn Sync IS unterstützen würde und vielleicht mit den beiden Telekonverter kompatible sind. Nikon und Canon werde sich sicherlich auf die Brennweiten die am meisten nachgefragt werden konzentrieren. Schließlich sind sie erst spät ernsthaft in die spiegellose Welt eingestiegen und muss hier noch ein wenig aufholen.

Marketing Optionen

Es würde mich doch sehr überraschen wenn wir im Marketing der großen Spieler Änderungen sehen werden. Es wird weiterhin auf die Influenzerkarte gesetzt und bei Produktvorstellungen das Netz mit den gleichen Informationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu füllen. Die Menschen trauen jemanden dem man folgt und vermeintlich kennt mehr, als den Hersteller. Auch wenn die Informationen von der gleichen Quelle stammen und nur in andere Worte gepackt werden. Ich denke nicht, dass die Fotoindustrie bereits den neuesten Trend im Marketing, Kunden wieder auf der analogen Ebene anzusprechen, folgen wird. Hierzu fehlt es einerseits an den finanziellen Möglichkeiten als als auch an den menschlichen Ressourcen. In den letzten beiden Jahren hat man eher das Gegenteil gesehen. Die Firmen waren immer weniger bei analogen Events und haben sich mehr auf die digitale Ebene begeben. Dies it meiner Meinung nach ein großer Fehler. Kameras sind haptische Geräte und müssen in wahrsten Sinne erfahren werden. Was digital nicht möglich ist. Zu Zeiten von Olympus gab es einmal einen “Photography Playground” der sehr gut bei den Menschen angekommen ist. Nicht nur bei denen die Fotografie sowieso schon als Hobby hatten sondern auch bei denen die sich nur am Rande für die Fotografie interessiert haben. Zur Zeit gibt es leider keine solche Formate mehr.

Bleiben die Fotofestivals (Umweltfestival Zingst / Oberstdorfer Fotogipfel) und die Photopia, bei denen man noch die Chance hat die Kameras, ohne sie gleich zu kaufen, auszuprobieren. Vorteil hier ist, dass ihr nicht nur einen Hersteller ausprobieren könnte sondern gleich mehrere. Zumindest hier sind die meisten Anbieter an Board. Allerdings wird hier auch an allen Ecken und Enden gespart und man merkt, die goldenen Zeiten der Fotoindustrie sind vorbei.

Bild von den Landungsbrücken in Hamburg.
Landungsbrücken Hamburg

Aussichten für die Fotoindustrie in 2023 und danach

Ehrlich gesagt bin ich skeptisch, dass sich die Verkaufszahlen der Kameras wieder zu einem positiven Trend umkehren. Zum Einen werden, durch das schrumpfen des Marktes, die Spielräume der Firmen immer enger. Zum Anderen brauchen die Mobiltelefon Hersteller ein Unterscheidungsmerkmal für die nächste Generation von Telefonen. Die Leistung der Prozessoren spielt hier schon lange keine Rolle mehr, da diese für den Normalbürger schon mehr als ausreichend ist. Deshalb werden die Kameras in den Mobiltelefonen immer besser. Sony hat schon das Ende der digitalen SLR Kameras angekündigt und ich denke für die meisten der Anwender ist es bereits jetzt schon so, dass sie keine DSLR mehr brauchen. Die Spitzfindigen unter euch werden jetzt vielleicht sagen, die DSLR ist bereits vor mehr als 10 Jahren, mit der Einführung der spiegellosen Systemen gestorben. Ihr vergesst dabei allerdings, dass der Sony Chef des Halbleitergeschäfts, sicherlich keine Unterscheidung zwischen DLSR and spiegellosen Kameras macht. Er meinte damit die Systemkameras mit Wechselobjektiven im Allgemeinen.

Wie ist eure Meinung?

Was denkt ihr über das Thema? Meine Perspektive ist eine ganz persönliche und ich würde mich freuen wenn ihr eure Gedanken mit mir teilt. Bin gespannt und freue mich über eine lebhafte und freundliche Diskussion.
Vielleicht interessiert Euch auch noch mein Artikel “Ist die Zukunft der Photoindustrie düster” den ich im April 2022 geschrieben habe. Hier habe ich das Thema noch aus einer anderen Perspektive beschrieben.